© Copyright AK 2012 Griechenland Erika und Albert Kollmann Unsere private Homepage Feuer in Tatoï 1916 Der königliche Palast in Flammen  König Konstantin I war während des ersten Weltkrieges offen für die Neutralität  Griechenlands eingetreten und eine Beteiligung am Weltkrieg vermeiden, allerdings  mit starker Anlehnung an Deutschland. Premierminister Venizelos dagegen wollte  sein Land an der Seite der Entente (Frankreich, Großbritannien, Russland) in den  Krieg führen, er wollte mit seiner "Megali Idea" griechischsprachige Gebiete in der  Türkei und vor allem Konstantinopel erobern.  Diese diametral entgegengesetzten Auffassungen waren für Griechenlands Politik  eine schwere Belastung. Die Aliierten versuchten, in ihrem Sinne auf die königliche  Familie Druck auszuüben. So beschuldigten die Engländer und Franzosen den  König, er habe die Deutschen begünstigt, indem er eine heimliche Versorgung  deutscher U-Boote mit Lebensmitteln erlaube. Für den Kontakt mit den Deutschen  betreibe er auf dem Grundstück von Tatoï einen Radiosender. Es gab auch finstere  anonyme Drohungen gegen die Familie. Irgendjemand streute z.B. das Gerücht in die  Welt, der Wein in den Kellern von Prinz Christoph (Bruder des Königs) in Kifíssia sei  vergiftet worden (was sich als unwahr herausstellte, als man den Diener zum Testen  des Weins zwang und dieser gesund blieb).  Am frühen Morgen des 14. Juli 1916, es war ein heißer, trockener Sommer, wurden die Majestäten in Tatoï durch einen  scharfen Brandgeruch geweckt, in der Ferne konnte man ein gewaltiges Feuer beobachten das auf die königliche Residenz  zuzukommen schien. Mit großer Sorge wurde die Situation beobachtet, gegen Mittag wollte der König mit einem Krisenstab die  Situation näher in Augenschein nehmen, wurde aber schnell vom Feuer am Weiterfahren gehindert. Alle Personen verließen  ihre Fahrzeuge und versuchten, sich zu Fuß in Sicherheit zu bringen. König Konstantin und sein Sohn Paul fanden einen noch  begehbaren Ziegenpfad, aber der König stürzte und verstauchte sich den Knöchel, so dass er nicht mehr laufen konnte. Ein  Soldat konnte ihn gerade noch retten, bevor sich die Flammen hinter ihnen schlossen. Die drei Autos jedoch waren den  Flammen zu nahe und explodierten, 16 Soldaten und Chauffeure fanden den Tod.  Kurz bevor die Flammen die Königliche Residenz erreicht hatten, konnten Einrichtungsgegenstände und Möbel in Sicherheit  gebracht werden. Im Haus befand sich auch eine naturwissenschaftliche Sammlung mit Alkoholpräparaten. Prinz Christoph  stieg auf den Uhrturm, um zu erkunden, ob die Straße nach Athen befahrbar sei. Im selben Augenblick explodierten die Gläser  mit den konservierten Tieren und Christoph entkam mit knapper Not den Flammen. Nur das Haus der Königin blieb verschont,  da es von immergrünem Laub umstanden war und nicht so leicht Feuer fing.  Später fand die Polizei an drei unterschiedlichen Stellen im Wald leere Benzinkanister. Man erinnerte sich, dass kurz vorher ein  französisches Aufklärungsflugzeug im niedrigen Flug das Gelände erkundet hatte. Außerdem hatten die Wachen kurz vor dem  Brand ein Fahrzeug mit 4 Personen beobachtet, die ihnen aber entwischt waren. Es soll sich um eine Tat des  britisch/französischen Geheimdienstes gehandelt haben.  Quelle:  Tomkinson, John L.: Attica - Greece beyond the guidebooks, Anagnosis, Athen 2002  König Konstantin I. von Griechenland